Ich kopiere mich einfach mal selbst aus dem Fassstark-Forum, wo es auch schon öfters um Alkoholkonsum oder -sucht ging. Der Beitrag ist zwar jetzt schon ein paar Jahre alt und die WHO hat ja letztes Jahr bekannt gegeben, dass Alkohol auch schon in geringsten Mengen schädlich sein kann, aber ansonsten sind die genannten Zahlen alle noch aktuell:
„Ich denke, dass sich jeder in diesem Forum im Klaren darüber ist, dass Ethanol eine Droge darstellt, die zwar legal ist, aber dennoch nicht verharmlost werden sollte. Es gibt verschiedene Rankings von Drogen, die von Ärztegremien erstellt wurden, in denen das Schadenspotenzial der Drogen eingestuft wird und in allen rangiert Alkohol sehr weit oben. Das wohl bekannteste Ranking stammt aus dem Jahr 2010 und dort ist Alkohol sogar auf Platz eins der gefährlichsten Drogen, gefolgt von Heroin, Crack und Meth. In diesen Rankings werden viele Faktoren berücksichtigt wie unter anderem Sterblichkeit, Gesundheitsschäden, Abhängigkeit, aber auch Kriminalität, Umweltschäden, volkswirtschaftliche Kosten usw..
Aber selbst, wenn man nur die eigenen körperlichen Folgen betrachtet, ist Alkohol nicht zu verachten, denn es ist schließlich ein toxischer Stoff mit einem Suchtpotenzial und zwar nicht nur für eine geistige Abhängigkeit, sondern auch für eine körperliche Abhängigkeit. Insofern soll bitte keiner, der meine weiteren Ausführungen jetzt liest und feststellt, dass er mit seinem Konsum unter den von mir genannten Mengen liegt, dies als Ansporn nehmen, noch mehr Alkohol zu trinken.
Um eines klar zu stellen: Am Besten für den Körper ist es, keinen Alkohol zu trinken!
Auch wenn es durchaus Studien gibt, die zeigen, dass sich geringe Mengen Alkohol positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirken können, sind dies keine Effekte, die man nur mit Alkohol erreichen kann, sondern es gibt genug Stoffe, die ähnliche Effekte hervorrufen, die ein geringeres oder kein Schadenspotenzial aufweisen.
Vielleicht sollte ich kurz auf das Thema Sucht allgemein eingehen, bevor ich die Alkoholsucht im Speziellen und die daraus evtl. resultierende Alkoholkrankheit behandle.
Suchtverhalten kann durch alles, was im Individuum positive Veränderungen, also die Freisetzung von Glückshormonen, hervorruft, ausgelöst werden. Dazu zählen natürlich die bekannten stofflichen Süchte hervorgerufen durch Drogen (kann jedoch auch durch Zucker/Süßigkeiten entstehen), aber auch jede Tätigkeit, die einen glücklich macht, kann zu einem Suchtverhalten führen.
Indikatoren für ein Suchtverhalten sind (ich gehe jetzt nur auf stoffliche Sucht ein, man kann aber Substanzgebrauch einfach durch Tätigkeit ersetzen):
- Toleranzentwicklung (immer mehr davon für den gleichen Effekt)
- Entzugserscheinungen (von Schmerzen bis einfach nur Unruhe und Reizbarkeit ist da alles drin)
- man vollzieht den Substanzgebrauch häufiger als man eigentlich beabsichtigt
- anhaltender Wunsch, damit aufzuhören, aber gleichzeitig nicht aufhören können (also ein gescheiterter Entzug)
- Investieren von viel Zeit für die Durchführung, die Ermöglichung oder die Erholung vom Substanzgebrauch
- Fortsetzung des Substanzgebrauchs trotz körperlicher oder psychischer Probleme
- Vernachlässigung von Pflichten (sozial, beruflich, familiär) aufgrund des Konsums
Treffen von den oben genannten sieben Punkten fünf zu, spricht man klinisch von einem Suchtverhalten. Da kann sich jetzt jeder selbst überprüfen, ob bei ihm in dem ein oder anderen Fall ein Suchtverhalten vorliegt oder man evtl. schon nahe dran ist. Man muss dabei aber schon ehrlich mit sich selbst sein.
Zur Entstehung von Süchten muss man dazu sagen, dass das eine sehr individuelle Sache ist. Manche Personen neigen dazu, schnell Suchtverhalten zu entwickeln, andere haben kein Problem damit, bestimmte Sachen von einem auf den anderen Tag wegzulassen, die davor das Leben bestimmt haben. Es gibt Hinweise darauf, dass da einiges auf genetischer Ebene mit dafür verantwortlich ist, aber noch keine gesicherten Hinweise. Um zu verhindern, dass man in ein Suchtverhalten abdriftet, sollte man dafür sorgen, dass man möglichst viele Quellen zur Verfügung hat, die einem Glücksgefühle bescheren und sich nicht nur auf eine oder zwei Sachen festlegen. Daher haben einsame Menschen oft ein höheres Risiko für ein Suchtverhalten als Menschen, die viele soziale Kontakte haben.
Nun zur Alkoholsucht, die in Deutschland ein großes Problem darstellt. Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 2 Millionen Menschen in Deutschland alkoholabhängig sind und ungefähr 15% der Erwachsenen einen riskanten Alkoholkonsum betreiben. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich aber noch höher, da die Zahl der Alkoholabhängigen durch Klinikaufenthalte gemessen wird und einige Alkoholiker sicher nicht in eine Enzugsklinik gehen und bestimmt einige bei Befragungen beschönigte Zahlen zu ihrem Alkoholkonsum angeben.
Um die Entstehung der Alkoholsucht zu verstehen, muss man kurz die biologischen Vorgänge von Alkoholkonsum im Körper betrachten.
Alkohol wird im Körper durch Enzyme relativ schnell verstoffwechselt, da es toxisch ist. Maßgeblich dafür verantwortlich ist ADH (Alkoholdehydrogenase). Dieses setzt Ethanol zu Acetaldehyd um, einen Stoff der noch viel giftiger für den menschlichen Körper ist und u.a. für die körperlichen Schäden nach einem Alkoholrausch (“Kater”) verantwortlich ist. Dieses Acetaldehyd wird wiederum durch ein Enzym ALDH (Aldehyddehydrogenase) zu Essigsäure umgesetzt, welche direkt in den Energiestoffwechsel eingeschleust werden kann oder als Baustoff für die Körperfettsynthese dient. Daher kann Alkohol auch dick machen oder auch ein Auslöser für Diabetes sein. Denn der Körper muss als erstes die Essigsäure abbauen, damit das damit im Gleichgewicht stehende Acetaldyhd abgebaut werden kann und aufgenommener Zucker reichert sich erstmal im Blut an und wird eben nicht gleich zur Energiegewinnung genutzt.
Konsumiert man nun größere Mengen Alkohol, schaltet der Körper auf einen schnelleren Entgiftungsmechanismus um, dies geschieht ab ca. 0,5 Promille. Ein weiteres System MEOS wird aktiviert mit einem weiteren Enzym CYP2E1 (den wissenschaftl. Namen erspare ich euch). Dieses kann Ethanol ungefähr dreimal so schnell abbauen wie ADH, hat aber den Nachteil, dass es einige weitere Stoffe auch umsetzt, z.B. verschiedene Medikamente zu toxischen Metaboliten, die wiederum stark die Leber schädigen können. Deshalb ist bei vielen Medis auch der Hinweis, dass man keinen Alkohol dazu konsumieren sollte.
Trinkt man jetzt chronisch über diese 0,5 Promillegrenze, reichert sich im Körper CYP2E1 an und sorgt für die Erhöhung der Toleranzschwelle bezüglich Alkohol, ein Indikator für eine eintretende Sucht.
Um den Mechanismus der Alkoholsucht verstehen zu können, muss man nun noch auf neurologischer Ebene das Gehirn betrachten. Alkohol wirkt im Gehirn ähnlich wie der Neurotransmitter (Botenstoff) GABA sedierend, also beruhigend, und aktiviert das Glückszentrum des Gehirns durch Dopaminfreisetzung. Nimmt man nun ständig Alkohol zu sich, verringert sich zum einen die körpereigene GABA-Produktion und zum anderen stumpft der Körper auf das Vorhandensein des Stoffes ab, die Rezeptoren werden unempfindlicher. Die Folge ist, man braucht mehr davon, um wieder glücklich zu sein. Fehlt Alkohol und dann auch GABA kommt es zu den Entzugssymptomen wie Reizbarkeit und Unruhe und man hat das Verlangen, diese Unzufriedenheit zu beseitigen. Dies kann so weit gehen, dass bestimmte substanzbezogene Reize, trinkende Leute in der Öffentlichkeit oder Alkoholwerbungen, dieses Verlangen im konditionierten Gehirn noch steigern. So entwickelt sich über die Gewohnheit hinaus eine geistige Abhängigkeit.
Jetzt kann Alkohol aber auch eine körperliche Abhängigkeit hervorrufen und da kommt wiederum MEOS ins Spiel. Durch die schnelle Anreicherung von Acetalaldehyd als erster Schritt des Abbaus kann es mit dem Hormon und Neurotransmitter Adrenalin zu TIQ und THBC (auch hier sehr komplizierte Namen, daher nur die Abkürzungen) reagieren. Diese Stoffe ähneln von der Struktur her Opiaten und rufen ähnliche Effekte hervor. Forscher haben in dem Zusammenhang schon vom “Heroin im Schnapsglas” gesprochen. Dadurch kann der chronische Alkoholkonsum die Produktion der körpereigenen Opiate (Endorphine) um bis zu 50% verringern und dadurch ähnliche körperliche Abhängigkeitssymptome wie bei einem Heroinabhängigen hervorrufen.
So und jetzt zum eigentlichen Thema “Trinkverhalten”. Ich halte mich im Großen und Ganzen an die Vorgaben der Mediziner und versuche pro Woche ein bis zwei alkoholfreie Tage einzubauen, um den Effekt der Gewohnheit zu minimieren.
Die kritische Grenze von 40g Alkohol pro Tag wird dabei selten überschritten, auch wenn ich durch meine Körpermasse wahrscheinlich noch mehr trinken dürfte. Da ich fast nur Whisky als Alkohol konsumiere und 40g einer Menge von 100ml 50%igen Schnaps entspräche, müsste ich bei meiner Trinkgeschwindigkeit ungefähr 2 Stunden täglich am Dram dahinsüffeln. Das ist für mich kaum zu erreichen. Da ich zudem keine Medikamente zu mir nehme und auf meine Ernährung bezüglich Zucker- und Fettzufuhr achte, sehe ich bei mir eigentlich keine Gefahr für einen Leberschaden, auch wenn es mal eine Flasche Whisky in der Woche werden sollte.
Wie sieht es also für einen Genusstrinker aus? Wenn man sich vorstellt, dass Enzyme eine bestimme Reaktionsgeschwindkeit haben, in der der Alkoholabbau abläuft, sollte beim Whiskygenießen eigentlich selten die Grenze von 0,5 Promille überschritten werden und MEOS eigentlich kaum zum Einsatz kommen. Um die Gefahr dahingehend zu minimieren, ist es sicher sinnvoller seine Alkoholmenge auf mehrere kleine Mengen über den Tag verteilt zu konsumieren als alles am Abend zu trinken, von einer "nicht lang schnacken, Kopf in den Nacken " Trinkmentalität ganz zu schweigen.
Was die vielen Drams über den Tag verteilt aber für eine Bedeutung für die geistige Abhängigkeit haben können, ist sicher wieder eine sehr individuelle Geschichte.
In diesem Sinne sollte jeder selbst entscheiden, wie er seinen Alkoholkonsum strukturiert. Es sind hier ja nur erwachsene und verantwortungsvolle Menschen im Forum unterwegs.“